Grußwort
Pantomime braucht keine Worte und sie will auch nicht singen.
Was sie in die Luft, in die unbekannte Gegend zeichnet, liegt unter der Sprache oder ist
ihr entlegen. Die Wurzeln des körperzentrierten Theaters sind alt, es gibt keinen Kult,
worin Pantomime fehlte; der Gemeinde sollte sie in der Sprache der Gebärde sagen, was in
Worten nicht auszudrücken war. Aber diese lange Entwicklung der Pantomime brauchte immer
wieder Anreicherungen: aus anderen Gefilden der Kunst wie aus dem Leben selbst. Oder,
moderner und mit Bodo Baake gesprochen: "Der Pantomime ist ein Zappelphilipp, der
nicht still am Tisch der Väter sitzen will".
Schon 1959 wurde an der Friedrich-Schiller-Universität das
Pantomimestudio und -theater gegründet. Aus den neunzehn Jahre später ins Leben
gerufenen und seit 1991 von der Stadt Jena weitergeführten Pantomimetagen wird so in
diesem Jahr das Festival "Theater in Bewegung". Die Jenaer Pantomimetage
entstanden als Versuch, die verstreut in Leipzig, Dresden und Berlin arbeitende Szene
zusammenzuführen. Das Team um Harald Seime wollte den Blick aus der DDR in den sicher
auch notgedrungen vor allem osteuropäischen Raum lenken. Es ging darum, ausprobieren, was
Pantomime alles kann. Nach der Wende war der hungrige Blick nach Westen gegangen, wurde
auf den Pantomimetagen die europäische Entwicklung nachholend besichtigt. Höhepunkt
dieser Entwicklung mag der Auftritt des Altmeisters Marcel Marceaus im Jahre 1995 gewesen
sein, der mit seinem "Bip" noch einmal die Quellen des Körperspiels darlegte.
Zugleich aber gab es immer wieder neue Entdeckungen, ob in der Auseinandersetzung mit
klassischem Tanz oder Rap-music und Hip Hop. Jena präsentiert mit "Theater in
Bewegung" aufregendes Körperspiel weiterhin als Biennale - und auch der Jahrgang
1999 wird lustvoll verdeutlichen, welche Entwicklung das visuelle Theater von seinen
klassischen Ursprüngen bis heute genommen hat.
Matias Mieth
Dezernent für Soziales und Kultur |
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