CAPITOL Jena
  ** Löbdergraben  29
07743 Jena

Das Filmtheater Capitol

Das Capitol in den 30er JahrenSeine Geschichte beginnt, als der Kino-Besuch so beliebt war, wie der Griff zur Fernbedienung heute. Der heilige Berg, so hieß der Film, der zur Eröffnung des Hauses am 2. April 1927 gezeigt wurde. Als modernster Kino-Bau Mitteldeutschlands feierte die Stadt Jena das Capitol. Damals gab es bereits das Palasttheater und das Astoria. Außerdem flimmerte auch im alten Stern zeitweise ein Filmprojektor.

Valentin Widera war der Mann, dem als Inhaber der Thüringer Lichtspiele auch das Capitol gehürte. Die Entwürfe für sein neuestes Haus ließ er sich von den Architekten Schreiter und Schlag liefern. Widera trug zur Gestaltung des Hauses mit seinen Erfahrungen als Fachmann bei. Eine Rarität sind die oberen Fenster an der Stirnseite des Capitols. Das Glas ist mit den Schriftzug Schreiter und Schlag als Markenzeichen versehen. Als Sohn eines Schulmeisters begeisterte Widera sich früh für den aufregend neuen Film.

Der Vorf�hrraum des Capitol in den 30er JahrenVon seinem Erspartem eröffnete er im ostpreuäischen Thorn sein erstes Kino. Der Blick für das Praktische und eine enormes Stehvermögen kennzeichnen Valentin Widera, diese Worte findet die Kino-Belegschaft in einer 1932 erschienen Festschrift. Der Jenenser Armin Albrecht, er begann 1936 im Deutschen Haus als Filmvorführer zu arbeiten, erinnert sich noch an Widera. Er bewohnte acht großzügige Zimmer, die er sich im Obergeschoss des Capitols eingerichtet hatte. Und vor dem Kino stand immer sein nobler Horch, erzählt der heute 85jährige. Albrecht erinnert sich auch daran, wie in den 30ern der Zaubertrick mit dem Elefanten funktionierte. Einfach, indem ein Variete-Künstler ein schwarzes Tuch über das Tier stülpte und mit den Kinoscheinwerfern das Publikum blendete.

Das Kriegsende 1945 - Die sowjetische Besatzungsmacht nahm das Capitol in Beschlag, das der Roten Armee fortan als Kommandatur diente. Einige Jahre später begann der Filmbetrieb wieder, zunächst mit russischer Beteiligung.

Das Capitol hatte bei Kinofreunden einen neuen Namen: Russen-Kino. Anton Komarek, er begann zu jener Zeit seine Filmvorführer-Laufbahn, erinnert sich noch an den Streifen "Sie tanzte nur einen Sommer". Damals waren die Schlangen an den Kinokassen noch länger als sonst, denn die Hauptdarstellerin war in einer Szene halbnackt zu sehen. Das war etwas ganz Neues für die Leute, sagt Anton Komarek. Auch ansonsten waren die Kinobesuche ein kulturelles Ereignis. Weil nach dem Krieg kaum Varietes in Betrieb waren, unterhielt vor den Filmen regelmäßig ein Bühnenprogramm. Ballett, Kleinkunst, Artistik auf der Kinobühne das Publikum zahlte dafür gern 50 Pfennige mehr.

Der Erfrischungsraum des Capitol in den 30er Jahren1982 wurde das Haus geschlossen wegen seines schlimmen Bauzustandes. Dann kam der große Umbau. Weil 1984 im Bezirk Gera die Arbeiterfestspiele anstanden, waren Geld und Material vorhanden. Heinz Kottke leitete als Bauabteilungsleiter der Bezirksfilmdirektion das Großprojekt. Er hatte schon Kinos in anderen Großstädten der DDR eingerichtet, aber beim Capitol wurde eine ganz radikale Lösung gefunden. Tatsächlich blieben nur die Außenmauern stehen, sagt Heinz Kottke. Hauptanliegen war es, mehr Kinoplätze zu schaffen. Doch wegen der seitlichen Begrenzung konnte nur nach oben oder nach unten gebaut werden, erinnert sich Kottke. Beim Tieferbauen langten die Arbeiter dabei kräftig zu und fuhren mit einem Bagger im großen Saal vor. Unter dem Bauwerk entstanden Toilettenanlagen und darunter ein zweites Kellergeschoss mit Lüftungskanälen.

Das Kino hatte von jetzt an drei Kinos, den gro�en Saal, dazu ein Studiokino f�r den anspruchsvollen Film und ein Klubkino, in dem die Filmp�dagogin Christa Niedner Filme f�r Kinder zum Erlebnis machte. Und da war auch die Kino-Bar im Erdgeschoss, die nicht allein Filmfans anlockte. Viele neue Ideen also im Jenaer Kino.

1990, der Filmtheaterbetrieb Jena GmbH, sein Firmensitz befindet sich in Bochum, übernahm das Capitol. Weil es für die Theaterbühne keine Verwendung mehr gab, wurde erneut umgebaut. Im hinteren Teil des Capitols entstanden das C4 und das C5 mit jeweils etwa 60 Plätzen. Aus Aufenthaltsräumen im Erdgeschoss wurde Ladenfläche.

Anfang 2008 stand das Capitol kurz vor dem Aus, weil der damalige Betreiber das Kino schließen wollten. Um das zu verhindern, fassten Maria Birnbaum und Jaqueline Woick (bis dahin im Kino angestellt) den Mut, als neue Betreiberinnen das Kino zu übernehmen. Sie wollen sowohl die Spielstätte als auch den Charme des Hauses erhalten und planen dafür verschiedene Renovierungen und Änderungen im Konzept.

Im Februar 2009 schloss das Capitol entgültig als Kino.

� 2008 digital concept / Impressum
Geschichte des Filmtheater Capitol � TLZ/Thomas Bernst
Fotos: Stadtmuseum Jena, Erfrischungsraum: Kohl-Otto
Abdruck mit freundlicher Genehmigung
Letzte Aktualisierung: 29. Nov 12